Emaille

Eine seit Generationen überlieferte Kunst
Ulysse Nardin hat es sich zur Aufgabe gemacht, die komplexe historische Kunst des Emaillierens zu bewahren. Mit dem schwierigen Verfahren, das ein außergewöhnliches Maß an Geschick und Geduld erfordert, lassen sich leuchtende Zifferblätter mit atemberaubend feinen Details kreieren, die wahre Kunstwerke sind.

Das Emaillieren ist eine fast in Vergessenheit geratene, komplexe dekorative Technik, die nur wenige Handwerker beherrschen. Jeder Arbeitsschritt, von der Vorbereitung bis zum Aufbringen, erfordert spezielle Fertigkeiten.
Das Atelier Donzé Cadrans in Le Locle, das seit 2011 im Besitz von ULYSSE NARDIN ist, pflegt diese außergewöhnliche Kunst. Donzé Cadrans beherrscht eine Vielzahl alter Techniken wie traditionelle Emaille, lichtdurchlässige Emaillen, Cloisonné und Champlevé. Jede davon erfordert höchste handwerkliche Sorgfalt und Kompetenz, um sicherzustellen, dass die so veredelten Zeitmesser nicht nur funktional, sondern auch von beeindruckendem künstlerischem Wert sind.
Das Verfahren ist bei allen vier Techniken ähnlich: Die Emaille wird in aufeinanderfolgenden Schichten aufgebracht und in sukzessiven Ofenzyklen jeweils bei rund 800 °C gebrannt. Die Zifferblätter aus traditioneller Emaille werden durch Bestreuen mit Emaille kreiert, während die Emaille bei anderen Techniken mit Wasser vermischt und mit einem Pinsel aufgetragen wird. Donzé Cadrans bietet eine beeindruckende Palette von über 700 Farbreferenzen, die eine außergewöhnliche Bandbreite an künstlerischen Ausdrucksformen und individueller Gestaltung ermöglichen.

Techniken und Verfahren

Grand Feu oder traditionelle Emaillierung
Die „Grand Feu“-Technik oder traditionelle Emaillierung wurde im 17. Jahrhundert erstmals in der Uhrmacherei verwendet. Dabei wird Emaillepulver auf einen Zifferblattrohling aus Kupfer aufgetragen und dann bei etwa 800 °C gebrannt. Durch die hohe Temperatur verschmilzt die Emaille mit der Oberfläche, sodass ein dauerhaftes, glänzendes Finish entsteht. Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt, um die gewünschte Tiefe und Brillanz zu erzielen. Auch die Bilder werden aus Emaille kreiert. Die so hergestellten Zifferblätter haben einen besonderen Glanz und sind besonders lichtbeständig. Die Oberfläche eines Grand-Feu-Emaille-Zifferblatts kann nach der Fertigstellung weder poliert noch verändert werden. So ist jedes Zifferblatt ein Unikat, das sich durch Authentizität und zeitlose Schönheit auszeichnet.

Guilloché und Flinqué
Beim Guilloché-Verfahren werden mit einer Guillochierdrehbank komplizierte, sich wiederholende Muster auf dem Zifferblatt erzeugt. Diese Muster werden dann mit durchscheinender Emaille überzogen, die die darunterliegende Gravur hervorhebt. Beim Flinqué-Verfahren werden Verzierungen wie Gravuren, Guilloché oder andere Motive auf einem Stempel kreiert und anschließend mit diesem auf den Zifferblättern reproduziert. Für diese beiden Produktionsarten wird durchscheinende oder opalisierende Emaille verwendet, um die komplexen Muster hervortreten zu lassen. Nachdem die Emaille aufgetragen wurde, polieren, bohren und veredeln die Kunsthandwerker die exquisiten Zifferblätter, um ihnen den letzten Schliff zu verleihen.

Cloisonné
Cloisonné ist eine im ersten Jahrhundert v. Chr. aufgekommene Technik, bei der Stege oder „cloisons“ aus feinem Golddraht geschaffen werden. Die so entstandenen Hohlformen werden mit Emaille gefüllt, die dann in mehreren Durchgängen gebrannt wird, um die gewünschte Tiefenwirkung und Farbe zu erhalten. Die Grundplatte besteht aus 18- oder 22-karätigem Gold und wird von Hand graviert, um ihr einen einzigartigen Glanz zu verleihen. Die Emaille muss sehr sorgfältig in gleichmäßigen Schichten beidseitig der Stege aufgetragen werden, damit diese sich beim Brennen nicht verschieben. Um die gewünschte Wirkung zu erzielen, sind in der Regel vier Schichten Emaille und sechs bis acht Brenngänge erforderlich. Anschließend wird die Oberfläche mit einer Diamantfeile geglättet, verglast und perfekt poliert.

Champlevé
Die Champlevé-Technik geht auf die byzantinischen Zeit zurück und ist das perfekte Zusammentreffen zweier alter Kunsthandwerkstraditionen: der Gravur und der Emaillierung. Der Graveur graviert Vertiefungen und komplexe Muster in Edelmetallplatten. Der Emaillierer trägt die verschiedenen Emaillen sorgfältig in diese Hohlräume auf. Nach dem Auftragen und Polieren der Emaille ziseliert der Graveur die Metallwände, um die Illusion von Tiefe und Dreidimensionalität zu erzeugen, ein wahrer „Trompe-l'oeil“-Effekt, der eine perfekte Beherrschung des über den Meißel ausgeübten Drucks sowie fließende, präzise Bewegungen erfordert, und jedes Zifferblatt zu einem wahren Kunstwerk macht.